Neue Bücher: Udo Jürgens “Merci”

8. November 2011

Udo Jürgens “Merci”, die Biografie von Lisbeth Bischoff

Foto: ullsteinbild ddp

Geheimnisse werden hier nicht verraten und keine Leichen im Keller ausgegraben… Auf Lisbeth Bischoff’s “Einblicke in Privates” müssen wir uns bis zum letzten Kapitel und Seite 219 gedulden. Was der Klappentext verspricht, hält er nicht – dennoch ist es ein lesenswertes Buch.

In professioneller Schreibe, im Boulevard-Light-Stil, bekommt man hier einen Crashkurs über das veröffentlichte Leben des Weltstars Udo Jürgens, wie es in den vergangenen 40 Jahren in den vorrangig Bunten Blättern im deutschen Sprachraum gespiegelt wurde. Bischoff selbst ist Teil des Boulevardjournalismus in Österreich. Als Rundfunk- und Fernsehreporterin in Sendungen der Gesellschafts- und Promiberichterstattung hat sie sich einen Namen gemacht. Vieles von dem – was das Publikum vom Star neben seiner künstlerischen Arbeit wissen soll – entstammt also wohl ihrer eigenen Recherche. Wer sich Udo- Jürgens- Fan nennen kann, hat dies alles schon (zum großen Teil wörtlich) anderswo gelesen oder in Interviews aus dem Munde des Künstlers gehört. Ergänzt wird dieses öffentliche “Private” durch Auszüge aus Büchern von bzw. über Udo Jürgens, Zitaten von der offiziellen Website und aus anderen PR-Materialien des Künstlers, Erklärungen seines Managers alt (Hans R. Beierlein bis 1977) wie aktuell (seit 30 Jahren Freddy Burger). Außerdem kommt Deutschlands Oberdeutschlehrer Bastian Sick (bekennender Udofan) zu Wort und wird die Diplom-Arbeit Christian Mädlers zu Rate gezogen. Zu bemängeln ist, das hier eine professionelle Schreiberin keinen sehr sorgfältigen Quellenumgang pflegt. Das betrifft u.a. sowohl die Fan- Zitate (gut gewählt, aber nicht verortet!) wie die erwähnte Diplom-Arbeit.
(Quelle zur Info hier von der Rezensentin am Ende angefügt. )

Wer noch rechtzeitig im Vorfeld der Herbsttournee (Start 27. Oktober in Ravensburg) fit zum Udofan gemacht werden möchte, wird hier hervorragend bedient – also jeder, der bisher vom Künstler nicht mehr kennt als seine größten Hits, hier und da einen TV-Auftritt oder Skandalüberschriften in Bild, Blick und Co, kann hier einiges zu wissen Wertes erfahren. Der Klappentext verspricht uns “eine besondere Annäherung an den Weltstar Udo Jürgens” und nennt das Buch “Lebenszeugnis eines großen Künstlers”. Zu letzterem Anspruch fehlt inhaltlich einiges, worauf ich hier nicht eingehen will, da es Aufgabe der Biografin ist, umfassend zu sein. Kein Thema wird vertieft oder vom professionellen Standpunkt beleuchtet mit Hintergrund versehen. Die Einsprengelungen historischer Rahmen-Geschehnisse stehen meistens ohne konkrete Beziehung zu den biografischen Ereignissen. Die “besondere Annäherung”, also eine persönliche Einschätzung / Einordnung des gesammelten Materials, vermittelt sich eher nicht.

Das Buch liest sich so weg, ist relativ chronologisch aufgebaut und geschmückt mit 55 (überwiegend bekannten, da von Presseagenturen stammenden) in den Text integrierten schwarzweiß Fotos – was den dokumentarischen Charakter des Buches unterstreicht. Im Anhang findet sich statistisches Material zu Tonträgern (Diskografie der regulären deutsche Alben), Tourneen, Filmen, Ehrungen und Auszeichnungen, sowie Udo Jürgens relevanten Büchern. Abschließend eine Liste aller namentlich erwähnten mehr oder weniger Prominenten, immerhin zusammengenommen überschlagene 360. Dass Udo Jürgens nach eigenem Ermessen “zuviel verdient”, glaubt man ihm gern, auch wenn 1,5 Mio DM nicht ganz 7,7 Mio Euro entsprechen… (S.43) Ein paar weitere kleine dem Lektor entgangene Fehler verschwinden sicher mit der zweiten Auflage.

PS zur oben erwähnte Diplom-Arbeit und ein Link dazu:
Mädler, Jens Christian: „Mit 66 Jahren…“ Eine Analyse der Imagekonstruktion von Stars des deutschsprachigen Schlagers am Beispiel von Udo Jürgens unter Einbezug einer Fanbefragung (Diplomarbeit im Studiengang Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis der Universität Hildesheim 2002) – Siehe hier: Udofan

Udo Jürgens ‘Merci’, Die Biografie von Lisbeth Bischoff,
Malthea Sigmund Verlag, Wien 2009, ISBN 978-3-85002-675-8